Offener Brief an Philip. Mai 1, 2008
Ich mache es mir jetzt genauso einfach. Da du dich offensichtlich mal wieder im studivz abgemeldet hast, ich aber dank meines Blogs sehen kann, wer mich anklickt, nehme ich halt diesen als Mittel zum Zweck [tut mir leid, Blog].
Deine Wahl ist natürlich vollkommen inakzeptabel. Sie ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Beides kacke. Ich weiß zwar nicht, wie es in deiner Welt aussieht, aber mein Leben war nie nur schwarz/weiß. Es gibt immer mehr als zwei Möglichkeiten, davon bin ich fest überzeugt.
Du wirst niemals von mir im ICQ geaddet werden, dessen kannst du dir sicher sein. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen, ich bestimme, zu wem ich Kontakt möchte und zu wem nicht. Ich lasse mich nicht fremd steuern oder in etwas hinein drängen. Vor allem lasse ich mich nicht erpressen. Genau das ist es nämlich. Und dazu noch ein Teufelskreis. Wenn ich das einmal mitmache, müsste ich es immer machen. „Tu dies oder ich mache das und das“. Es ist wie bei den Frauen, die von ihren Männern geschlagen werden und danach sagen „ach, das war nur einmal, kommt nicht wieder vor“ und sie nicht verlassen. Ich finde es ziemlich widerlich und traurig, wie passiv und abhängig diese Frauen von ihren Peinigern sind. Warum sollte ich mich selber in so eine Opferrolle begeben? Das macht keinen Sinn.
Warum grade du den Kontakt zu mir suchst, wird mir auch unverständlich bleiben. Du kannst mir eh nichts Neues sagen; du hast alles gesagt, was du sagen wolltest. Deine subtilen Beleidigungen kannst du für dich behalten, sie sind nur ein weiterer Grund, sich nicht mit dir abzugeben. Ich kenne deine Meinung über mich (ich bin fett, dumm, hässlich und verschließe nicht zuletzt die Augen vor der Wirklichkeit und mache mir etwas vor). Selbst wenn sich auch nur ein Punkt meiner Aufzählung geändert haben sollte, ist das irrelevant und für mich nicht interessant. Kurz gesagt, es ist mir wumpe und völlig egal, was irgendein Mensch, der mich nicht kennt, von mir denkt. Mir ist sogar egal, was Menschen von mir denken, die mich kennen. Mein Leben ist zu kurz, um Gedanken daran zu verschwenden, warum jemand ein Problem mit mir hat und wie ich das ändern könnte. Ganz davon abgesehen werde ich mich für niemanden mehr ändern. Entweder, man mag mich wie ich bin oder nicht. Beides ist okay und nicht verwerflich. Man kann Menschen nicht dazu zwingen einen zu mögen.
Du hast mir mal geschrieben, dass zwischen uns nur Neid, Missgunst und Arroganz herrscht. Von meiner Seite aus kann ich das nicht bestätigen. Ich kenne dich nicht, warum sollte ich neidisch auf dich sein? Meiner Meinung nach hast du nichts, was dich zu einem besseren Menschen als mich macht. Du bist vielleicht klüger als ich, hast vielleicht auch mehr Geld, aber das sind Dinge, die mir egal sind und die ich deswegen neidlos anerkennen kann. Bill Gates hat auch mehr Geld als ich und Albert Einstein war klüger, deswegen fange ich nicht an, diese Typen zu hassen.
Dich hasse ich auch nicht. Hass setzt ein gewisses Maß an Empathie voraus. Mit dir verbinde ich einfach nichts. Du bist am Rande meines (Internet-)Kosmoses aufgetaucht wie ein Komet und du wirst genauso wieder in der Unendlichkeit verschwinden.
Ironischerweise bin ich grade an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem ich alle losen Enden packe und der Kreis sich schließt. Es mag kitschig klingen, aber das Leben ist eine Ansammlung von Möglichkeiten, die man nur entdecken muss. Ich habe nie begriffen, was hinter all dem steckt. Meistens war ich zu bequem, ich war zu faul um zu begreifen, dass man sich jederzeit verändern kann, wenn man es nur will. Lange überfällige Entscheidungen mussten getroffen werden, Perspektiven ausgelotet, das Leben neu definiert. Veränderungen stehen an, neue Herausforderungen werden in Angriff genommen.
Zwar finde ich es nicht gut, dass du dich wieder meldest, aber immerhin werde ich die Chance nutzen und noch einmal betonen, dass ich keinerlei Interesse an einem wie auch immer gearteten Kontakt zu dir habe. Weder persönlich noch schriftlich.
Aus diesem Grund werde ich auch alle weiteren Möglichkeiten der Kontaktaufnahme stilllegen. Um dich vor mir und mich vor dir zu schützen. Dass so was nicht ewig weitergehen kann, ist dir ja auch klar.
Wahrscheinlich wirst du es nicht glauben, aber ich habe kein Problem damit, mich (wieder einmal) von gewissen Dingen zu lösen. Mir fällt es weit weniger schwer, das Internet das Internet sein zu lassen und Webseiten nicht mehr zu besuchen als offensichtlich dir.
Natürlich ist mir zu Ohren gekommen, dass mein last.fm-Account im Forum diskutiert wurde. Gut fand ich das nicht, aber eigentlich war es mir auch egal. Ich habe nicht mit einer Reaktion von dir gerechnet, ich habe nicht mal daran gedacht, dass du dich noch mal meldest, aber man wird ja manchmal eines besseren belehrt.
Ich beantworte deine Nachricht aus dem studivz auch erst heute, weil ich mich dort nicht täglich einlogge. Ich benutze es eher selten. Schon Ende Dezember wollte ich mich dort löschen, habe es dann aber doch nicht gemacht. Wie es scheint, ist also dann jetzt die Zeit gekommen. Zusätzlich wird der facebook-Account gelöscht (falls du ihn nicht kanntest: er war da und jetzt ist er wieder weg!), last.fm und dieser Blog. Darum tut es mir etwas leid, aber da ich immer drei bis vier Wochen hinterher bin, ist es im Endeffekt auch egal. Habe ich eh keine Zeit mehr zu.
A propos last.fm… kennst du diese Montage aus „Silence of the lambs“? In der man sieht, wie Jodie Foster an der Türe des Killers klingelt, während sich um ein Haus herum das SWAT-Team bereit zum Einsatz macht? Sie steht ganz allein an seiner Eingangstüre und man sieht, wie irgendwo in dem Haus die Klingel schrillt und er kommt zur Türe und macht sie auf. Das Team beginnt unterdessen mit der Erstürmung des Hauses und man fragt sich, warum der Killer sich nicht panisch nach den splitternden Fenstern umsieht und nicht flieht. Bis man begreift, dass das SEK das falsche Haus umstellt hat. Es ist nicht das Haus, vor dem Jodie steht.
Ganz so ist es auch mit meiner last.fm-Konzertliste. Das Haus ist ein beliebiges Konzert. Egal welches du dir aus der Liste aussuchst. Und ich bin der Killer. Was denkst du, wer du bist? Wirklich Jodie? Wie sicher bist du dir, dass deine Informanten [oho, das Internet, Quell der Wahrheit!] dich nicht belogen haben? Falls du dem ganzen so sehr vertraust, wie es den Anschein macht, bist du noch viel naiver als ich. Schließlich habe ich gelernt, dass man niemandem vertrauen kann und seine persönlichen Informationen lieber für sich behält. Was nicht heißen soll, dass ich nicht auf den Konzerten war. Das gilt nur für die nächsten.
So, das war jetzt sehr ausführlich, aber ich fasse es gerne noch mal für dich zusammen (weil ich mir auch gut vorstellen kann, dass du nicht mal liest, was der ach so interessante Mensch für dich geschrieben hat!):
Ich will dich weder sehen noch hören noch riechen noch dich in meiner Nähe haben. Ich will nicht mit dir reden und auch nichts von dir lesen. Sollte ich das Gefühl haben, du respektierst meine Wünsche und Gefühle nicht, werde ich mir andere Maßnahmen als diese doch recht höfliche Nachricht überlegen. Man kann immer viel Käse reden und ich bin sicherlich die Letzte, die das verurteilt, aber falls ich denke, dass man mich bedrängt oder bedroht, könnte ich mir auch vorstellen, rechtliche Schritte in Betracht zu ziehen.
Ansonsten wünsche ich dir ein schönes Leben.
P.S.: da ich nicht mehr im studivz antworten kann, aber möchte, dass du das liest, werde ich meinen Blog ein paar Tage oder eine Woche noch online lassen, die anderen Profile werden umgehend gelöscht. Selbstverständlich habe ich die Kommentarfunktion ausgestellt.

