(Meide die) Popkultur

Über alles, was wichtiger genommen wird, als es eigentlich ist. Oder so.

Offener Brief an Philip. Mai 1, 2008

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Ich mache es mir jetzt genauso einfach. Da du dich offensichtlich mal wieder im studivz abgemeldet hast, ich aber dank meines Blogs sehen kann, wer mich anklickt, nehme ich halt diesen als Mittel zum Zweck [tut mir leid, Blog].

 

Deine Wahl ist natürlich vollkommen inakzeptabel. Sie ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Beides kacke. Ich weiß zwar nicht, wie es in deiner Welt aussieht, aber mein Leben war nie nur schwarz/weiß. Es gibt immer mehr als zwei Möglichkeiten, davon bin ich fest überzeugt.

Du wirst niemals von mir im ICQ geaddet werden, dessen kannst du dir sicher sein. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen, ich bestimme, zu wem ich Kontakt möchte und zu wem nicht. Ich lasse mich nicht fremd steuern oder in etwas hinein drängen. Vor allem lasse ich mich nicht erpressen. Genau das ist es nämlich. Und dazu noch ein Teufelskreis. Wenn ich das einmal mitmache, müsste ich es immer machen. „Tu dies oder ich mache das und das“. Es ist wie bei den Frauen, die von ihren Männern geschlagen werden und danach sagen „ach, das war nur einmal, kommt nicht wieder vor“ und sie nicht verlassen. Ich finde es ziemlich widerlich und traurig, wie passiv und abhängig diese Frauen von ihren Peinigern sind. Warum sollte ich mich selber in so eine Opferrolle begeben? Das macht keinen Sinn.

 

Warum grade du den Kontakt zu mir suchst, wird mir auch unverständlich bleiben. Du kannst mir eh nichts Neues sagen; du hast alles gesagt, was du sagen wolltest. Deine subtilen Beleidigungen kannst du für dich behalten, sie sind nur ein weiterer Grund, sich nicht mit dir abzugeben. Ich kenne deine Meinung über mich (ich bin fett, dumm, hässlich und verschließe nicht zuletzt die Augen vor der Wirklichkeit und mache mir etwas vor). Selbst wenn sich auch nur ein Punkt meiner Aufzählung geändert haben sollte, ist das irrelevant und für mich nicht interessant. Kurz gesagt, es ist mir wumpe und völlig egal, was irgendein Mensch, der mich nicht kennt, von mir denkt. Mir ist sogar egal, was Menschen von mir denken, die mich kennen. Mein Leben ist zu kurz, um Gedanken daran zu verschwenden, warum jemand ein Problem mit mir hat und wie ich das ändern könnte. Ganz davon abgesehen werde ich mich für niemanden mehr ändern. Entweder, man mag mich wie ich bin oder nicht. Beides ist okay und nicht verwerflich. Man kann Menschen nicht dazu zwingen einen zu mögen.

 

Du hast mir mal geschrieben, dass zwischen uns nur Neid, Missgunst und Arroganz herrscht. Von meiner Seite aus kann ich das nicht bestätigen. Ich kenne dich nicht, warum sollte ich neidisch auf dich sein? Meiner Meinung nach hast du nichts, was dich zu einem besseren Menschen als mich macht. Du bist vielleicht klüger als ich, hast vielleicht auch mehr Geld, aber das sind Dinge, die mir egal sind und die ich deswegen neidlos anerkennen kann. Bill Gates hat auch mehr Geld als ich und Albert Einstein war klüger, deswegen fange ich nicht an, diese Typen zu hassen.

Dich hasse ich auch nicht. Hass setzt ein gewisses Maß an Empathie voraus. Mit dir verbinde ich einfach nichts. Du bist am Rande meines (Internet-)Kosmoses aufgetaucht wie ein Komet und du wirst genauso wieder in der Unendlichkeit verschwinden.

 

Ironischerweise bin ich grade an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem ich alle losen Enden packe und der Kreis sich schließt. Es mag kitschig klingen, aber das Leben ist eine Ansammlung von Möglichkeiten, die man nur entdecken muss. Ich habe nie begriffen, was hinter all dem steckt. Meistens war ich zu bequem, ich war zu faul um zu begreifen, dass man sich jederzeit verändern kann, wenn man es nur will. Lange überfällige Entscheidungen mussten getroffen werden, Perspektiven ausgelotet, das Leben neu definiert. Veränderungen stehen an, neue Herausforderungen werden in Angriff genommen.

Zwar finde ich es nicht gut, dass du dich wieder meldest, aber immerhin werde ich die Chance nutzen und noch einmal betonen, dass ich keinerlei Interesse an einem wie auch immer gearteten Kontakt zu dir habe. Weder persönlich noch schriftlich.

 

Aus diesem Grund werde ich auch alle weiteren Möglichkeiten der Kontaktaufnahme stilllegen. Um dich vor mir und mich vor dir zu schützen. Dass so was nicht ewig weitergehen kann, ist dir ja auch klar.

Wahrscheinlich wirst du es nicht glauben, aber ich habe kein Problem damit, mich (wieder einmal) von gewissen Dingen zu lösen. Mir fällt es weit weniger schwer, das Internet das Internet sein zu lassen und Webseiten nicht mehr zu besuchen als offensichtlich dir.

Natürlich ist mir zu Ohren gekommen, dass mein last.fm-Account im Forum diskutiert wurde. Gut fand ich das nicht, aber eigentlich war es mir auch egal. Ich habe nicht mit einer Reaktion von dir gerechnet, ich habe nicht mal daran gedacht, dass du dich noch mal meldest, aber man wird ja manchmal eines besseren belehrt.

Ich beantworte deine Nachricht aus dem studivz auch erst heute, weil ich mich dort nicht täglich einlogge. Ich benutze es eher selten. Schon Ende Dezember wollte ich mich dort löschen, habe es dann aber doch nicht gemacht. Wie es scheint, ist also dann jetzt die Zeit gekommen. Zusätzlich wird der facebook-Account gelöscht (falls du ihn nicht kanntest: er war da und jetzt ist er wieder weg!), last.fm und dieser Blog. Darum tut es mir etwas leid, aber da ich immer drei bis vier Wochen hinterher bin, ist es im Endeffekt auch egal. Habe ich eh keine Zeit mehr zu.

 

A propos last.fm… kennst du diese Montage aus „Silence of the lambs“? In der man sieht, wie Jodie Foster an der Türe des Killers klingelt, während sich um ein Haus herum das SWAT-Team bereit zum Einsatz macht? Sie steht ganz allein an seiner Eingangstüre und man sieht, wie irgendwo in dem Haus die Klingel schrillt und er kommt zur Türe und macht sie auf. Das Team beginnt unterdessen mit der Erstürmung des Hauses und man fragt sich, warum der Killer sich nicht panisch nach den splitternden Fenstern umsieht und nicht flieht. Bis man begreift, dass das SEK das falsche Haus umstellt hat. Es ist nicht das Haus, vor dem Jodie steht.

Ganz so ist es auch mit meiner last.fm-Konzertliste. Das Haus ist ein beliebiges Konzert. Egal welches du dir aus der Liste aussuchst. Und ich bin der Killer. Was denkst du, wer du bist? Wirklich Jodie? Wie sicher bist du dir, dass deine Informanten [oho, das Internet, Quell der Wahrheit!] dich nicht belogen haben? Falls du dem ganzen so sehr vertraust, wie es den Anschein macht, bist du noch viel naiver als ich. Schließlich habe ich gelernt, dass man niemandem vertrauen kann und seine persönlichen Informationen lieber für sich behält. Was nicht heißen soll, dass ich nicht auf den Konzerten war. Das gilt nur für die nächsten.

 

So, das war jetzt sehr ausführlich, aber ich fasse es gerne noch mal für dich zusammen (weil ich mir auch gut vorstellen kann, dass du nicht mal liest, was der ach so interessante Mensch für dich geschrieben hat!):

Ich will dich weder sehen noch hören noch riechen noch dich in meiner Nähe haben. Ich will nicht mit dir reden und auch nichts von dir lesen. Sollte ich das Gefühl haben, du respektierst meine Wünsche und Gefühle nicht, werde ich mir andere Maßnahmen als diese doch recht höfliche Nachricht überlegen. Man kann immer viel Käse reden und ich bin sicherlich die Letzte, die das verurteilt, aber falls ich denke, dass man mich bedrängt oder bedroht, könnte ich mir auch vorstellen, rechtliche Schritte in Betracht zu ziehen.

 

Ansonsten wünsche ich dir ein schönes Leben.

 

P.S.: da ich nicht mehr im studivz antworten kann, aber möchte, dass du das liest, werde ich meinen Blog ein paar Tage oder eine Woche noch online lassen, die anderen Profile werden umgehend gelöscht. Selbstverständlich habe ich die Kommentarfunktion ausgestellt.

 

Die Kunst des Sterbens // Filmmuseum, Düsseldorf April 23, 2008

Eine Überschrift wie “Die Kunst des Sterbens” wird vermutlich öfter fehl interpretiert. Es geht nämlich ganz bewusst nicht um die Kunst des Tötens, die mittlerweile immer mehr im Fokus steht und ganze Filme ausfüllt. Es interessiert nicht, wie extrem das Foltermotiv von Splatterreihen wie Saw ausgereizt wird.

Sicherlich, wo jemand stirbt ist meistens auch im Film ein Mörder involviert. Selten sterben Menschen einfach “so”. Es sei denn, es sind Dramen und der Protagonist hat eine schreckliche Krankheit oder begeht Selbstmord. Alles in allem wird aber in den häufigsten Filmen gestorben, aus welchen Gründen auch immer.

 

Das Düsseldorfer Filmmuseum widmet diesem Thema nun eine Ausstellungsreihe. Zu besichtigen sind Originalrequisiten, Plakate und lebensgroße Nachbildungen diverser Monstren. Dazu kommen Ausschnitte und Bilder aus Filmen, die dokumentieren sollen, welchen Wandel grade die Todesdarstellung im Laufe der Zeit durchgemacht hat. Denn nicht immer wurde die Selbstverständlichkeit des Sterbens in der Form von heute gezeigt.

Abgerundet wird das alles noch mit ausgewählten Filmen, die im Black Box-Kino gezeigt werden.

 

 

Die Ausstellung geht vom 19.4. bis zum 13.7.2008, der Eintritt kostet 4 Euro (ermäßigt 2 Euro). Täglich geöffnet von 11-17 Uhr, mittwochs sogar bis 21 Uhr, montags Ruhetag.

 

Filmmuseum Düsseldorf

Black Box

 

Foals & Home of the Lame // Werkstatt, Köln April 16, 2008

Visions Partys sind ja schon etwas Tolles. Da kann man für wenig Geld meistens ein oder zwei Indiebands sehen und im Anschluss daran noch die beiden Ts zelebrieren: Tanzen und Trinken.

Blöde wird es nur dann, wenn die beiden Bands nicht so wirklich zusammen passen. Genau das war auch das Dilemma von Home of the Lame und Foals. Während sich der mehr als sympathische Hamburger Felix Gebhard eher dem sanften Pop verschrieben hat, machen Foals mit treibendem, tanzbarem Poppunk auf sich aufmerksam. Auf der einen Seite der von Schweden inspirierte Träumer Home of the Lame, auf der anderen Seite die ungebremsten Jungs aus Oxford.

 

Natürlich zieht das auch ein komplett anderes Publikum an. So hatte Gebhard, der sein Soloprojekt mittlerweile zur kompletten Band ausgeweitet hat, schon Schwierigkeiten, sich ausreichend Gehör zu verschaffen. Davon abgesehen, dass die Akustik in der Werkstatt zeitweise nicht die Beste war (genau wie die Lüftung), musste gegen einen immensen Lärmpegel angespielt werden. Klar, man bezahlt ja für beide Bands und kommt auch dann, wenn einen etwas nicht so sehr interessiert, aber niemand hat etwas davon, wenn man unentwegt redet, weil man die Musik langweilig findet. Weder die Band, die versuchte, das Publikum doch noch auf ihre Seite zu ziehen noch die Menschen, die sich wirklich dafür begeistern konnten.

Und trotzdem war es schön zu sehen, wie gut Gebhard sich auf seine Band eingestellt hat. Mit sichtlichem Vergnügen spielten die Herren sich etwas zusammen, auch wenn man etwas wehmütig an die Zeiten denkt, wo Home of the Lame mit Mats Bengtsson in kleinen Clubs auf Akustiktour ging. Das war eben alles eine Nummer kleiner, intimer und wärmer.
Sie spielten sich einander zulächelnd und schwitzend durch eine Liedauswahl der zwei Alben, um dann Platz zu machen für den Headliner des Abends.

 

Als wäre es nicht schon heiß genug gewesen, drängelte danach der Rest des Publikums erwartungsfroh nach vorne und erhöhte so die Umgebungstemperatur noch mal um ein paar Grad. Allerdings musste man nicht allzu lange warten, die fünf Männer aus England erklommen ziemlich schnell die Bühne. Obwohl sie erst Mitte 2007 mit ihren nicht auf dem Album erschienenen Singles Hummer und Mathletics auf sich aufmerksam gemacht hatten, war die Werkstatt brechend voll und bis in die hintersten Reihen sang, pfiff oder summte das Publikum mit. Sänger Yannis Philippakis ließ es sich auch nicht nehmen, Ausflüge von der Bühne zu unternehmen. So lief er mitten in einem Song einfach los, rannte fast den Kameramann des WDR um und taumelte mit seiner Gitarre durch die Menge, so weit es das Kabel seines Instruments zuließ. Überhaupt die Gitarre. Es scheint wieder in zu sein, sich die Gitarren unter die Achsel zu klemmen. Obwohl man dachte, dass das mit den Arctic Monkeys wieder in der Versenkung verschwunden sei, ist es vielleicht so eine britische Eigentümlichkeit, bei der man sich nie ganz sicher ist, ob das jetzt total cool oder völlig bescheuert aussieht. Eventuell haben Briten auch einfach die kürzesten Arme der Menschheit.

Foals reihen sich ein in die lange Liste englischer Bands, die gekommen sind, um der Welt das Tanzen zu lehren. Kleine, feine Lieder, in denen Gitarren und Bass gegen das Schlagzeug ausgependelt sind und bei denen man einfach nicht still stehen kann. So ging es auch nicht wirklich um die Show, die Foals abzogen, sondern um die Songs. Und die waren live genauso gut wie auf Platte.

 

Übrigens: während Foals einen jungen Mann am Merchstand hatten, der ihre Tshirts verkaufen sollte (neben ihm hing ein Schild auf dem Ich spreche kein Deutsch stand), verkaufte Felix Gebhard seine Sachen höchstpersönlich und sehr kompetent. Er war gut aufgelegt, nahm sich Zeit für jeden und flachste noch ein bisschen herum mit seinen Kunden. Sein ganzes Auftreten macht ihn zu einem der nettesten und sympathischsten Menschen, die man nicht kennt.

 

 

Der WDR überträgt einen Zusammenschnitt des Konzerts im Rahmen des Rockpalast vom 25. auf den 26. Mai von 2.00-3.15 Uhr nachts.

 

Falling off the lavender bridge // Lightspeed Champion April 15, 2008

Mittlerweile scheint es fast so, als ob Folk das neue Genre für bandmüde Künstler sei. Man verlässt oder löst die Band gleich ganz auf, schaut sich nach Alternativen um und entscheidet, eine andere Richtung einzuschlagen. Um sich abzugrenzen, eine Art der Selbstfindung oder aus dem banalen Grund, dass man den ganzen Rotz nicht mehr sehen kann und was anderes machen will.

 

Keine Ausnahme macht da auch Devonte Hynes, ehemaliger Gitarrist der Test Icicles. Vor ein paar Jahren in einer semibekannten Punkband semierfolgreich, muss sich im Folgenden der kleine Mann mit der großen Frisur gedacht haben, dass England und die ganze Musikszene dort ihn mal kreuzweise kann. Daraus resultierte die Abwanderung nach Amerika und zu Saddle Creek. Saddle Creek… man hört immer so viel Gutes von dort, alle sind super Kumpels, der eine singt auf der Platte von dem mit, der nächste steuert dort etwas für den anderen auf der Gitarre bei. Love and happiness everywhere. Vielleicht genau das Richtige für Hynes, der sich einige Monate Zeit nahm, um im labeleigenen Haus zu wohnen und mit Mike Mogis, seines Zeichens so etwas wie der Hofproduzent Saddle Creeks, ein Album aufzunehmen. Natürlich mit tatkräftiger Unterstützung zahlreicher Mitglieder verschiedener Bands, die beim gleichen Label unter Vertrag sind. Sie haben den kleinen Hipster aus England wie einen Bruder aufgenommen. Bei aller Lagerfeuerromantik stellt man sich es nämlich genau so vor. Da klopft einem Conor Oberst schon mal auf die Schulter, wenn man beim gemeinsamen Mittagsessen einen genialen Texteinfall hat und Maria Taylor macht Stimmübungen beim Blumen tränken im Garten.

 

Stimmlich erinnert Falling off the lavender bridge manchmal etwas an Kele Okereke von Bloc Party in seinen ruhigen Momenten. Mit warmer, entspannter Stimme singt Hynes Lieder, die sich auch über knapp zehn Minuten erstrecken können. Klingt langweilig, ist es aber nicht. Dazu sind sie zu abwechlungsreich. Lightspeed Champion verlässt sich nicht nur auf sich selbst, sondern beherbergt gradezu ein halbes Orchester zur Untermalung seiner Stimme. Man argwöhnt einen versteckten Owen Pallet in Devil tricks for a bitch, so verspielt erklingt die Geige, während sich Hynes mit Emmy the Great in Dry lips Stimmduelle liefert. Besonders die junge Sängerin aus Großbritannien ist eine Bereicherung für das Album. Im Hintergrund wie als Duettpartnerin fällt sie angenehm auf, weil sie wunderbar mit Devonte Hynes harmoniert.

Obwohl man ganz sicher die Nähe zu Saddle Creek aus dem Album heraushört, bleibt es doch ein eigenes Stück Arbeit, das Herzensblut quillt aus jeder Pore. Er verarbeitet seine Erlebnisse und Träume und macht auch nicht davor halt, seiner Mutter einen Song zu widmen. Und doch rutschen die Lieder nicht allzu offensichtlich in den süßlichen Kitsch ab, von dem man allein beim Zuhören schon Karies bekommt, weil dazu die Texte zu sarkastisch und gemein sind. Vor allem Frauen bekommen da schon mal ihr Fett weg. Trotzdem kann man nicht anders und muss den Briten amerikanischer Herkunft in sein Herz schließen. Wer mit Vorliebe schräge Videos mit Puppen dreht und sich auf seinen Plattencovern mit Tieren ablichten lässt, kann einfach nicht verkehrt sein. Genau wie sein kleines Debütalbum als Solokünstler.

 

 

Falling off the lavender bridge wurde am 21. Januar 2008 bei Domino Records veröffentlicht. Als Zugabe gibt es zum Album noch eine Akustik-EP mit vier Coversongs dazu, darunter Xanadu von Olivia Newton John und Souvenirs von Patrick Wolf.

Cover scheinen eh so ein Anliegen von Hynes zu sein. So nahm er vor einiger Zeit eine komplette Green Day-Cover EP auf.

 

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Lightspeed Champion // Tell me what it’s worth [Video]

 

Deichkind // Kulturfabrik, Krefeld April 7, 2008

Spätestens seit dem legendären Melt!-Auftritt von Deichkind anno 2006 weiß man, dass man die Band buchen kann, wenn man billig renovieren und an eine Abrissfirma kommen will. Denn meistens steht nach einem Konzert der Nordlichter grade mal noch das Fundament des Clubs oder der Festivalbühne. Der Rest geht vollkommen unter im Krawall und Remmidemmi. Bei ihnen kann man Songs mit genau solchen Namen auch schon mal wörtlich nehmen.

 

Umso verwunderlicher, dass die Krefelder Kulturfabrik sich einen Platz im Tourplan gesichert hat. Der Club ist nämlich relativ klein und schon beim Einlass fragt man sich, wohin mit all den guten Dingen, die ein Konzert erst ausmachen. Deichkind halten sich nämlich nicht mit Instrumenten auf, oh nein, da werden ganz andere Dinge aufgefahren. Eine Hüpfburg, diverse Fitnessgeräte, Trampoline, die übergroßen Fahnen und last but not least die Zitze. Wen interessieren dann noch Gitarren oder Schlagzeug? Selbst DJ Phono verzichtet auf seine geliebten Turntables, Musik kommt garantiert vom Band. Gesungen wird allerdings trotzdem live, Playback überlässt man gerne musikalischen Größen wie Mariah Carey.

 

Erwartungsgemäß füllte sich die Kufa recht früh mit allerhand alkoholisierten Jugendlichen, die gerne mal einen drauf machen wollten. Will man nicht am nächsten Tag mit blauen Flecken an allen möglichen oder unmöglichen Stellen aufwachen, einen riesigen Kater haben und sich fragen, ob man jemals wieder Dinge hochheben kann, weil man an eine Zerstörung seiner Wirbelsäule glaubt, sollte man sich bei einem Deichkind-Konzert dezent im Hintergrund halten. Vorne mitten im Pulk kann es schon mal zugehen wie bei der Headliner-Show vom Wacken. So ertönten eine halbe Stunde vor Beginn Fangesänge in der Kufa, die jedem Champions Ligue-Finale Ehre gemacht hätten. Und trotzdem ging es nicht schneller los. Dafür konnte man sich 30 Minuten lang ein Potpourri von Youtube-Videos ansehen. Von japanischen Quatschsendungen a la Takeshi’s Castle bis Monty Python war so ziemlich alles an Kalauern dabei, was geht.

 

Bis es dann losging. Mit der ersten Überraschung nämlich. Deichkind stürmte die Bühne gewohnt in Plastiksackmontur und nachdem sie sich ihre Vogelmasken von den Gesichtern rissen, erkannte man statt Buddy Ferris MC. Hatte nun keiner erwartet, den bleichen Rapper bei ihnen zu sehen, wollte der sich doch auf eine Schauspielkarriere konzentrieren. Anscheinend aber nicht genug, denn in Zukunft wird er fester Bestandteil der Band sein und den ausgeschiedenen Buddy ersetzen. Etwas, das offensichtlich nicht erst seit gestern beschlossene Sache ist, Ferris war sehr textsicher und hatte keinen einzigen Aussetzer.

 

Deichkind schwitzte, schrie und spielte sich eine gute Stunde durch alle möglichen Songs aus mehreren Alben und machte vor allem mit neuen Liedern Lust auf das kommende Album. Die Menge nahm begeistert jeden einzelnen Song auf und umjubelte natürlich am meisten Krawall und Remmidemmi, den Überhit der Hamburger, der gleich zweimal gespielt wurde.

 

Die einzige Enttäuschung des Abends: der Merchstand. Warum bitte gab es nur Tshirts und Taschen?

 

 

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City and Colour // Passionskirche, Berlin April 6, 2008

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Die Ankündigung eines City and Colour-Konzerts erschütterte schon die Internet-Gemeinde. Noch mehr allerdings die Tatsache, dass der Herr aus Kanada nur ein einziges Konzert in Deutschland spielt. Ansonsten: Fehlanzeige. Noch ein paar in Großbritannien, der Rest Europas musste sich mit Berlin zufrieden geben und schnell sein, was Kartenkäufe angeht. Ärgerlich für Auswärtige, dass man diese nur bei der Passionskirche selber oder den Halsabschneidern von Eventim erwerben konnte.

 

Macht aber alles nichts. Oder besser gesagt, so etwas hält doch niemanden ab. Kaum verwunderlich also, dass das Konzert vom Knaack Club in die Passionskirche verlegt werden musste. Der Andrang war einfach zu groß. Wer auch immer sich für die Passionskirche entschieden hat, hat wohl einen Glücksgriff getan.

Denn mal ehrlich: klar sind diese kleinen Clubs für Singer-/Songwriter immer schön. Ganz zu schweigen von dem Publikum, das davon noch am meisten hat. So ziemlich alles ist besser als eine riesige Halle vollgestopft mit Menschen. Aber wenn man sich allein die Akustik in einer Kirche vorstellt, den Hall, die Weite. Dann ist das schon eine andere Hausnummer. So konnte Dallas Green auch geschätzt einen Meter weit weg vom Mikro stehen und immer noch war absolut jede Nuance seiner Stimme zu hören. Was auch daran lag, dass wahrscheinlich kaum jemand zu atmen wagte, weil man das drei Reihen weiter noch hören konnte. Das Publikum saß wahlweise auf den Kirchenbänken, der Erde oder stand am Rand und jeder konnte zusehen, wie dieser etwas unscheinbare Mann mit den vielen Tattoos sich voll entfaltete. Ganz allein wirkte er verloren inmitten seiner Instrumente. So bald er aber anfing zu singen, war dieser Eindruck weggewischt. Zwar schloss er zumeist die Augen, vollkommen introvertiert, aber die Songs wirken eben durch die Inbrunst, mit der er singt. Die Texte sind vielleicht nicht die originellsten, er ist nicht der beste Gitarrero der Welt oder hat die schönste Stimme, aber manchmal muss man nicht etwas am Besten können um perfekt zu sein. Man liebt ja nicht nur die Dinge, die bis ins kleinste Detail ausgefeilt sind, sondern die mit den kleinen Fehlern, die dadurch erst richtig charmant und anziehend wirken.

 

Bewaffnet mit drei Gitarren und einer Mundharmonika spielte Green ein bisschen mehr als eine Stunde lang eine Auswahl von Songs seiner beiden Alben. Dazu noch ein Madonna- und ein Alexisonfire-Cover, das vor allem bei den Zuhörern gut ankam, weil sicherlich die meisten allein deswegen da waren, weil er eben der Sänger der Hardcoreband ist. Als City and Colour macht er aber alles andere als hardcore. Dafür erzählte er, dass er sich immer darüber wundert, dass es Menschen gibt, die ganze Konzerte durch ihre Digitalkameras schauen, weil sie nur Bilder oder Videos machen. Green machte relativ deutlich, dass auf seinen Konzerten ein anderer Wind weht. Bilder klar, aber leise und unauffällig. Zugrufe gern, kann man sich aber auch sparen. So blieben auch alle brav sitzen, verhielten sich still und die einzigen störenden Geräusche waren umkippende Bierflaschen zwischen den Bänken und das Geklicke der analogen Kameras. Und natürlich der begeisterte Applaus, den er reichlich bekam.

 

Selten war die Vorfreude so groß auf ein Konzert wie dieses Mal. Und selten die Anreise so lang. Respekt daher vor allem für die Norweger, die einen noch längeren Weg hatten. Was beweißt, dass Euphorie keine Grenzen kennt. Und trotzdem wünscht man sich bald Konzerte in heimischen Gefilden. Die, das kündigte Green schon mal an, auch im Winter dann bespielt werden sollen. Ausgedehnte Tour waren die zwei Worte, die ungefähr die Hälfte aller Besucher der Passionskirche innerlich haben aufjubeln lassen.

 

 

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SDNMT // Steinbruch, Duisburg April 6, 2008

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Dass Postrock nun nicht grade des Deutschen liebstes Genre ist, merkt man daran, dass es nicht allzu viele Vertreter gibt, deren Platten oder Konzerte überall beworben werden. Entsprechend klein war auch die Anzahl derer, die sich im Steinbruch eingefunden hatten, um sich Seidenmatt… pardon, sdnmt anzusehen. Obwohl das Konzert keine sieben Euro kostete, waren vor Beginn vielleicht 25 Menschen anwesend, die sich vornehm im Hintergrund hielten.

 

So weit, dass sogar die Band selbst das Publikum bat, doch ein bisschen nach vorne zu kommen, weil sie durch das Licht zu sehr geblendet waren und gar nichts mehr sahen. Keine Menschen, keine Reaktionen. Zwar gibt es immer wieder Bands, denen das völlig wumpe ist, weil sie nur ihren Stiefel runterspielen, jedoch schien ein gesichtsloses Publikum nicht sdnmts Anspruch zu sein. Musik lebt nun einmal von den Emotionen derer, die sie machen und denen, die sie hören. Und grade um die Emotionen der beiden Seiten miteinander zu verbinden, geht man ja auf Konzerte. Oder veranstaltet sie, je nachdem, auf welcher Seite man steht.

 

Was nicht bedeuten soll, dass die Songs von sdnmt nicht angekommen wären. Schwierig ist es manchmal nur dann, wenn man wie bei Postrock-Bands nun mal üblich viele Instrumentalstücke hat. Dass da keine Stimmung wie bei einem Gospelgottesdienst aufkommen mag, ist verständlich und auch vorhersehbar. Und trotzdem boten sdnmt so einiges auf der Bühne. Von gesangslosen Rocknummern, die sich über mehr als drei Minuten fuffzig erstreckten, über alte und neue Songs bis hin zum finalen Schlussakkord von Waking the forest, zu dem sie sich die Unterstützung der Vorband, Elikan Dew, gesichert hatten um die mehrstimmigen Gesangsparts bewältigen zu können. Atmosphärisch dicht. Vollgepackt mit Instrumenten, Stimmen, Samples. Vertrackt, aber nicht zu kopflastig. Ziemlich runde Sache eigentlich.

 

Das einzige, was im Nachhinein wirklich gestört hat, ist das fehlende Publikum. Man wünscht einer solch sympathischen Band mehr als 30 Zuschauer.

 

 

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Hot Chip // Gloria, Köln April 6, 2008

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Zwei Tendenzen zeichnen sich grade im Elektrobereich ab. Einmal sind da DJs wie Justice oder Digitalism, die sich hinter ihren Mischpulten verschanzen und von da aus recht absolutistisch die tanzenden Massen in jede beliebige Richtung dirigieren können; zum anderen gibt es Bands - und ja, genau das sind sie - wie Hot Chip, die auch mal gerne Gitarren und Bässe zur Unterstützung ihrer Drumcomputer bemühen. Im Grunde macht es keinen Unterschied und doch einen riesigen. Insofern, weil das Ergebnis dasselbe bleibt, die Mittel aber völlig andere sind. Im Falle von Hot Chip muss man wohl auch dazu sagen, dass Elektro da ein viel zu eng gefasster Begriff ist. Es ist Elektro, Pop, Rock und ab und an auch noch sämtliche Unterkategorien.

 

Entsprechend gespannt konnte man dem Konzert entgegen fiebern. Wie wird es sein, was wird passieren? Schon das kleine Gloria sicherte einen ab, es wird keine Massenveranstaltung, alles bewegt sich irgendwie im relativ familiären Rahmen. Auf der kleinen und mit Instrumenten zugebauten Bühne präsentierte sich als Support mit seinem Computer ein gewisser The Letter G, seines Zeichens Exmitglied Hot Chips und mit bürgerlichem Namen Hagop Tchaparian heißend. Falls jetzt jemand denkt “Tchaparian? Dat kenn ich doch irgendwoher”, dann mag das stimmen. Das ist weder ein fernöstliches Essen noch eine Schlammpackung, vielmehr veröffentlichten Hot Chip einen Song diesen Namens auf ihrem zweiten Album. Jedenfalls wippte der Mann hinter seinem PC ziemlich hin und her, verschwand aber genauso wieder im Nichts, wie er auch daher kam.

 

Der Rest des Abends war dann nur noch laut, verschwitzt und voller Harmonie. Oder etwas ähnlichem. Hot Chip boten die erwartet gute Show. Eine Mischung aus Dancefloorkillern zum Abgehen und ab und an ruhigeren Liedern. Schade nur, dass mit Crap Kraft Dinner bloß ein Song vom ersten Album gespielt wurde. Besonders fiel einem der lässige Bassist ins Auge, der an seinen Gegensatz von den Cold War Kids erinnerte. Und der direkt aus einem Tocotronic-Video entsprungen zu sein scheinende Mann am Drumcomputer, der mit stoischer Gelassenheit alles von einem Platz weiter hinten beobachtete, als ob ihn das nichts angehe. Denn selbst wenn Hot Chip ein Quintett ist, rücken auch live die beiden Masterminds Joe Goddard und Alexis Taylor in den Vordergrund. Immer präsent schon allein durch ihre stimmliche Dominanz in den Songs bekommen sie in den Platz an der Sonne, den sie gekonnt ausfüllen. Jeder erwartet das von ihnen.

 

Elektropop. Etwas, das man sich nur schwer mit der üblichen Rockinstrumentierung vorstellen kann. Und trotzdem funktioniert das im Falle von Hot Chip sehr gut. Nicht nur, weil die Songs von vorne herein so angelegt sind, dass man sie mit und ohne Instrumente spielen kann, sondern auch, weil das ihr System ist. Ihre Definition von Musik, von Pop. Oft ist es so, dass sich live der ganze Kram weniger druckvoll oder ganz anderes anhört, genau das war hier aber nicht der Fall. Es ist alles echt und eben doch Gold, was glänzt. Nach gut 90 Minuten waren sie dann nicht nur mit ihrem Set fertig und hinterließen die Zuhörer vollkommen zufrieden.

 

 

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Ob sie wohl anders behandelt werden? März 12, 2008

Gespeichert unter: (Un-)Kultur?! — subkultur @ 10:36
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Fußballer sind auch nur Menschen. Es gibt gute und solche, die ganz gerne mal ihre Frauen hauen. Sie sind dick oder durchtrainiert bis zum Letzten, sie nehmen Drogen, rauchen, trinken, gehen in Discos, machen einen drauf. Sie spielen Instrumente, lesen Bücher, gehen ins Kino. Sie haben einen Beruf neben ihrem Sport erlernt, sie studieren, sie haben alle mehr oder weniger Geld. Das manche von ihnen auf Grund ihres Lifestyles nachher eher weniger als mehr haben. Sie können sich meist recht gut artikulieren; es gibt schlaue und solche, die es lieber wären als das sie es sind.

Im Grunde sind sie auch nur ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Sie haben eine Familie, Kinder. Manchmal haben sie auch mehrere Familien, weil sie zwei oder drei Frauen haben. Aber gut, hat Otto Normal auch. Doch eins ist auffällig: die Anzahl der bekannten homosexuellen Fußballer tendiert gegen Null.

 

Warum ist das so? Weil der gemeine Profi homophob ist; er Angst hat, dass ihm einer seiner Vereinskameraden in der Dusche auf den wohlgeformten Körper schaut und das nicht nur zu Vergleichszwecken?

Warum wird das so totgeschwiegen? Weil es da ein ungebrochenes Gesetz gibt, dass man weder in der Klatschpresse noch neben dem Bolzplatz darüber spricht? Kann man es dem Fan nicht zumuten, ein Trikot eines schwulen Spielers überzustreifen? Gefährdet das gar die Einnahmen durch Sponsoring, weil sich plötzlich niemand mehr mit “so einem” identifizieren kann, egal wie gut er ist?

 

Da kommt die Frage auf, wie es Vereine schaffen, als Trikotfarbe ein leuchtendes Pink oder Lila durchzubringen, wo diese doch erwiesenermaßen als eher unmännliche Farben gelten. Okay, spätestens seit David Beckham zur Maniküre geht und damit angibt, ist Metrosexualität als Lebensgefühl nicht mehr verpönt. Etwas, worüber man Jahre lang nur gelacht hat.

Und trotzdem. Man kann gar nicht anders als sich zu fragen, wie wohl die Gegenspieler von Erzgebirge Aue oder Bellinzona aus der Schweiz ihre Gegner nennen. Kann es sein, dass sie sie wegen ihrer Trikots auslachen und sie abfällig als Homosexuelle betiteln? Öfter als das bei anderen Clubs vorkommt? Oder doch nicht? Und wenn, ist das dann auch eine Form von Diskriminierung, die sich von Äußerlichkeiten ableitet?

 

Bellinzona im Swisscom Cup

Erzgebirge Aue

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[Bilder von Bellinzona und Erzgebirge Aue via Google.]

 

Jens Lekman // Gebäude 9, Köln März 12, 2008

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Keine Vorband war plötzlich überall zu lesen. Ob das nun gut oder schlecht ist, darüber lässt sich sicherlich streiten. Für den Konzertbesucher heißt das, dass es sofort losgeht. Keine Warterei, keine Überbrückungsphase, kein Anstellen an der Toilette kurz bevor es anfängt. Es bedeutet aber auch, dass das Konzert eine von 0 auf 100-Sache wird. Man ist direkt mitten drin und damit muss man auch erst einmal zu recht kommen.

 

Jens Lekman hatte anscheinend keine Probleme. Gut gelaunt betrat er mit seiner vorwiegend weiblichen Band die Bühne und wischte sämtliche Bedenken einfach weg, indem er schnell mal einen Hit spielte. Er ließ seinem Publikum keine Zeit, darüber nachzudenken, was zu tun ist. Die Füße bewegten sich von selbst, es wurde textsicher mitgesungen und getanzt.

 

Vor allem ist schön zu sehen, wie Songs gewinnen, wenn sie live gespielt werden. Sie entwickeln eine Eigendynamik, was nicht nur am größeren Raum liegt, sondern vor allem auch an der Instrumentierung. Eine richtige Band mit Cello und Geige als Gegenspieler zu Bass und Drumcomputer einzusetzen war auf jeden Fall eine gute Entscheidung. Sie bringen die nötige Tiefe mit, um die Lieder angemessen interpretieren zu können.

 

Dass ein Konzert von Jens Lekman Spaß macht, liegt nicht nur an seinen Songs, sondern vor allem an seiner Präsenz. Er fokussiert die Menschen auf sich, selbst wenn er nicht allein auf der Bühne steht, sie hängen an seinen Lippen, lauschen ihm. Er hätte wahrscheinlich auch Waschmaschinen verkaufen können, die Leute hätten sie ihm aus den Händen gerissen. Er ist charmant, witzig, erfrischend in seinen Texten. Einem Gemisch von Alltag und skurrilen Begebenheiten.

Lekman unterbricht A postcard to Nina, um zwischen den Strophen die Geschichte von Nina, ihrem Vater und ihm zu erzählen. Seine Band und er imitieren Flugzeuge während The opposite of hallelujah und fliegen über die Bühne.

Meistens ist es peinlich, wenn Musiker versuchen, ihr Publikum zum Mitsingen oder Fingerschnipsen zu animieren. Einem wie Jens Lekman verzeiht man es aber gerne. Und so gab es auch kaum einen, der ihn nicht bei Poketful of money unterstützt und mit gepfiffen oder gesungen hätte. Eine kleine Weile Gänsehautatmosphäre an einem ansonsten eher heiteren, unterhaltsamen Abend.

 

 

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Jens Lekman // Poketful of money – Video, live