(Meide die) Popkultur

Über alles, was wichtiger genommen wird, als es eigentlich ist. Oder so.

City and Colour // Passionskirche, Berlin April 6, 2008

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Die Ankündigung eines City and Colour-Konzerts erschütterte schon die Internet-Gemeinde. Noch mehr allerdings die Tatsache, dass der Herr aus Kanada nur ein einziges Konzert in Deutschland spielt. Ansonsten: Fehlanzeige. Noch ein paar in Großbritannien, der Rest Europas musste sich mit Berlin zufrieden geben und schnell sein, was Kartenkäufe angeht. Ärgerlich für Auswärtige, dass man diese nur bei der Passionskirche selber oder den Halsabschneidern von Eventim erwerben konnte.

 

Macht aber alles nichts. Oder besser gesagt, so etwas hält doch niemanden ab. Kaum verwunderlich also, dass das Konzert vom Knaack Club in die Passionskirche verlegt werden musste. Der Andrang war einfach zu groß. Wer auch immer sich für die Passionskirche entschieden hat, hat wohl einen Glücksgriff getan.

Denn mal ehrlich: klar sind diese kleinen Clubs für Singer-/Songwriter immer schön. Ganz zu schweigen von dem Publikum, das davon noch am meisten hat. So ziemlich alles ist besser als eine riesige Halle vollgestopft mit Menschen. Aber wenn man sich allein die Akustik in einer Kirche vorstellt, den Hall, die Weite. Dann ist das schon eine andere Hausnummer. So konnte Dallas Green auch geschätzt einen Meter weit weg vom Mikro stehen und immer noch war absolut jede Nuance seiner Stimme zu hören. Was auch daran lag, dass wahrscheinlich kaum jemand zu atmen wagte, weil man das drei Reihen weiter noch hören konnte. Das Publikum saß wahlweise auf den Kirchenbänken, der Erde oder stand am Rand und jeder konnte zusehen, wie dieser etwas unscheinbare Mann mit den vielen Tattoos sich voll entfaltete. Ganz allein wirkte er verloren inmitten seiner Instrumente. So bald er aber anfing zu singen, war dieser Eindruck weggewischt. Zwar schloss er zumeist die Augen, vollkommen introvertiert, aber die Songs wirken eben durch die Inbrunst, mit der er singt. Die Texte sind vielleicht nicht die originellsten, er ist nicht der beste Gitarrero der Welt oder hat die schönste Stimme, aber manchmal muss man nicht etwas am Besten können um perfekt zu sein. Man liebt ja nicht nur die Dinge, die bis ins kleinste Detail ausgefeilt sind, sondern die mit den kleinen Fehlern, die dadurch erst richtig charmant und anziehend wirken.

 

Bewaffnet mit drei Gitarren und einer Mundharmonika spielte Green ein bisschen mehr als eine Stunde lang eine Auswahl von Songs seiner beiden Alben. Dazu noch ein Madonna- und ein Alexisonfire-Cover, das vor allem bei den Zuhörern gut ankam, weil sicherlich die meisten allein deswegen da waren, weil er eben der Sänger der Hardcoreband ist. Als City and Colour macht er aber alles andere als hardcore. Dafür erzählte er, dass er sich immer darüber wundert, dass es Menschen gibt, die ganze Konzerte durch ihre Digitalkameras schauen, weil sie nur Bilder oder Videos machen. Green machte relativ deutlich, dass auf seinen Konzerten ein anderer Wind weht. Bilder klar, aber leise und unauffällig. Zugrufe gern, kann man sich aber auch sparen. So blieben auch alle brav sitzen, verhielten sich still und die einzigen störenden Geräusche waren umkippende Bierflaschen zwischen den Bänken und das Geklicke der analogen Kameras. Und natürlich der begeisterte Applaus, den er reichlich bekam.

 

Selten war die Vorfreude so groß auf ein Konzert wie dieses Mal. Und selten die Anreise so lang. Respekt daher vor allem für die Norweger, die einen noch längeren Weg hatten. Was beweißt, dass Euphorie keine Grenzen kennt. Und trotzdem wünscht man sich bald Konzerte in heimischen Gefilden. Die, das kündigte Green schon mal an, auch im Winter dann bespielt werden sollen. Ausgedehnte Tour waren die zwei Worte, die ungefähr die Hälfte aller Besucher der Passionskirche innerlich haben aufjubeln lassen.

 

 

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2 Responses to “City and Colour // Passionskirche, Berlin”

  1. Andy Says:

    Hallo,

    schöner Artikel bzw. Konzertreview.
    Ich kann dem nur zustimmen.
    Es war ein tolles Konzert.

    Wir waren auch vorort und haben ein exklusives Interview mit Dallas Green gemacht.

    Das Interview gibt es in Kürze unter http://www.refocus.de
    bzw. http://www.refocus.de/cityandcolour/ zum Download.

    Natürlich haben wir auch ein paar Bilder vom Interview sowie beim Konzert gemacht.

    Als absolutes Goody gibt es ein 360° Panoramafoto vom Konzert. Also unbedingt mal vorbeischauen. Es lohnt sich für jeden City and Colour / AOF - Fan!

    Grüße und keep on rocking
    ++ der Andy!

  2. subkultur Says:

    Danke danke.
    Euer Interview hab ich schon gesehen. Wurde ja auch auf last.fm verlinkt. Das Panoramabild ist tatsächlich ziemlich gut, auch wenn einem etwas schwindelig wird.
    [gut auch, dass man sich selber erkennt, wenn man weiß wo man stand, es aber trotzdem dunkel genug ist, so dass sonst niemand einen entdeckt!]

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